Defense wins championships
Abgelutscht aber wohl wahr: Die amerikanische Sportweisheit, wonach der Gewinn eines Titels (Radkappe!!) in aller Regel nur über eine gefestigte und verlässliche Defensive erreicht wird. Die Kaderplanung von Hertha ist zwar noch weit davon entfernt abgeschlossen zu sein, jedoch ergibt sich im hinteren Mannschaftsteil bereits jetzt ein Bild, welches erahnen lässt, dass vielleicht doch nicht alles so schlimm und hoffnungslos ist, wie man nach dem albtraumhaften Saisonende 2011/12 gedacht hatte. Wir wissen noch nicht, was im Angriffsspiel von unserer Mannschaft zu erwarten sein wird – aber ein Blick auf die Torwartposition, die Verteidiger und die defensiven Mittelfeldspieler lässt erahnen: für Zweitligaverhältnisse durchaus ganz beachtlich.
Die größte Überraschung für mich war an dieser Stelle das Bleiben von Thomas Kraft. Ich hatte nach dem Abstieg (nach dem sportlichen, nicht erst nach Eintritt der Rechtssicherheit) keinen Zweifel, dass unsere gefühlte Nr. 1 (auch wenn die Nummer auf dem Trikot was anderes behauptet) den Verein verlassen und bei einem anderen Erstligisten anheuern würde. Mein Gefühl hat mich betrogen. Thomas Kraft bleibt und mit ihm ein erstklassiger Torwart im Gehäuse des BSC. Sascha Burchert als verlässlicher 2. Torwart und Philip Sprint als Talent dahinter sollten auf dieser Position ausreichen, um oben mitspielen zu können.
Bei den Verteidigern sieht es auch nicht schlecht aus. Roman Hubnik hat in der Erstligasaison das eine oder andere mal nicht ganz sattelfest gewirkt, in der 2. Liga jedoch hat er das Potential, so manchen gegnerischen Angreifer verzweifeln zu lassen. Auch Maik Franz dürfte im Fußball-Unterhaus von der Qualität her zu den besten Innenverteidigern gehören – wenn er endlich mal verletzungsfrei bleibt. Falls nicht, gibt es die Alternative mit Christoph Janker in der Innenverteidigung, welcher ansonsten den rechten Außenverteidiger mimen kann. Für die linke Außenverteidiger-Position steht Felix Bastians bereit – und eventuell ab Januar Levan Kobiashvili. Letztgenannter sollte auch mit dann 35 Lenzen immer noch genug Qualität für die 2. Liga haben. Spannend wird die Antwort auf die Frage, ob sich mit Neumann, Brooks, Morales oder Radjabali-Fardi noch ein Nachwuchsspieler in die Phalanx der gestandenen Verteidiger wird trainieren können. In den Testspielen wird der eine oder andere von ihnen die Chance bekommen sich auch den Fans zu präsentieren.
Auch das defensive Mittelfeld gibt Anlass zur Hoffnung. Peter Niemeyer wird in der kommenden Saison (und nach seiner vorzeitigen Vertragverlängerung bis 2016 auch darüber hinaus) ein nicht unwichtiger Eckpfeiler im Mannschaftsgefüge bleiben, der in der 2. Liga das eine oder andere mal Kandidat für den „Man of the match“ sein könnte. Auch Fabian Lustenberger hat locker das Potential für einen Starspieler in der 2. Liga, wenngleich in seinem Fall auf Grund der Verletzungsanfälligkeit ein Fragezeichen über seinem Kopf schwebt. Mit Spannung erwarte ich die Test- und Trainingsleistungen von Peer Kluge, welcher bei Schalke keine Chance hatte sich durchzusetzen. Obendrein war der defensive Mittelfeldspieler von einigen Verletzungen geplagt (Bauchmuskelzerrung im April 2011, Muskelfaserriss August/September 2011 und Meniskusverletzung von November 2011 bis Februar 2012). Vielleicht könnten Kluge und Lustenberger sich ja immer abwechselnd verletzen, dann wäre die Position neben Niemeyer auch gut bis sehr gut besetzt – vorausgesetzt natürlich, Luhukay lässt mit 2 defensiven Mittelfeldspielern spielen. Hoffen dürften dies auch Fanol Perdedaj und Fabian Holland, die Nachwuchsspieler auf dieser Position, deren Einsatzchancen beim Spiel mit nur einem „Sechser“ dramatisch sinken dürften.
Auch wenn die Offensive noch eine totale Baustelle zu sein scheint, die Defensive sieht bereits jetzt wirklich nicht schlecht aus. Um das eingangs erwähnte Sprichwort abzuwandeln: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive steigt auf. Na dann.
Das Volk hat gesprochen
Werner Gegenbauer wiedergewählt, Gegenbauers Wunsch-Vize im Amt, auch ansonsten relativ moderate Besetzung des Präsidiums – die Mitgliederversammlung von Hertha BSC hat gegen einen kompletten Neuanfang votiert. In dieser Deutlichkeit war das Ergebnis nach den großen Kampfparolen der letzten Tage nicht mehr zu erwarten, wirklich überrascht bin ich aber letztlich trotzdem nicht.
Was wurde im Vorfeld der Versammlung gewettert. Die Palast-Revolution wurde ausgerufen, Preetz raus, Gegenbauer stützt ihn, egal, dann eben Gegenbauer und Preetz raus. Neuanfang, Konsolidierung, und so weiter und so fort.
Die Außendarstellung von Hertha war in der vergangenen Saison katastrophal. Das kann und muss man, zumindest zu einem gewissen Teil, dem Geschäftsführer Sport anlasten. Das Dilemma beginnt mit der Cause Babbel, und es ist zu einem gewissen Grad unerheblich, was damals zwischen Herthas Chefetage und Markus Babbel tatsächlich passiert ist. Gerüchte gab und gibt es viele, man munkelt auch, dass die Presse genauestens über die Vorgänge im November und Dezember 2011 informiert war – sich jedoch in einem Agreement mit Hertha auf Stillschweigen verständigte. Man munkelt viel. Fakt ist, wir, die Fans und/oder Mitglieder von Hertha BSC, wissen es nicht. Was wir wissen: Hertha stand nach anderthalb Jahren erfolgreicher Arbeit mal wieder als die Lachnummer der Nation da. Zu verantworten hat das der für die Kommunikation zuständige Michael Preetz. Nicht gut.
Fakt ist aber auch, dass sich die Führungsetage in den Winterwirren geschlossen hinter Preetz gestellt hat – und somit geschlossen gegen Babbel. Jetzt kann man sagen, „Skandal, der arme Markus, alle sind gegen ihn“ – oder man kann schlussfolgern, dass die Entscheidung Babbel zu entlassen, von der gesamten Vereinsführung, nicht nur von Preetz, getroffen und getragen wurde. Aus Gründen, welche auch immer.
Auch im Fall Skibbe sieht unsere Geschäftsführung ziemlich unglücklich aus. Es ist allerdings nicht so, dass sich die Kritiker an dieser Stelle einig wären. Es gibt Stimmen, die sagen, man hätte Michael Skibbe niemals verpflichten dürfen, alles schlecht, von Minute eins an. Es gibt aber auch Stimmen, welche sich gewünscht hätten, man hätte Skibbe mehr Zeit gegeben. Hmm.
Ich kann an dieser Stelle keine Sieger ausmachen, Schaden genommen hat jeder. Warum die empörte Volksseele in einem Anfall von Gedächtnisschwund jedoch Michael Preetz ganz klar als Lügenbaron und einzig Schuldigen an allem ausmacht, erschließt sich mir nicht. Trotzdem, die Außendarstellung, nicht nur im Fall Babbel, war wenig vorteilhaft. Völlig egal was da tatsächlich vorgefallen ist, Michael Preetz konnte den Schaden, selbst wenn er ihn eventuell nicht selbst verursacht hat, nicht vermeiden. Hierfür ist er verantwortlich. Und ich kann jeden verstehen, der auf Grund dieser Vorkommnisse eine Veränderung in der Person des Geschäftsführers fordert. Preetz ist das Gesicht des Imageschadens – und allein deshalb ist der Wunsch nach einem Austausch des Verantwortlichen auf dieser Position zumindest verständlich.
Nun kommen wir zum Problem der Mitgliederversammlung. Nicht die Fans und nicht die Mitglieder bestimmen den Geschäftsführer, sondern das Präsidium, welches wiederum von den Mitgliedern gewählt wird. Somit kann man von einer indirekten Wahl des Geschäftsführers durch die Mitglieder sprechen. Ganz einfach also: die Preetz Befürworter wählen Werner Gegenbauer, welcher sich bereits im Vorfeld klar und deutlich zu Michael Preetz bekannt hat. Hierbei rechne ich Gegenbauer seine Offenheit hoch an: kein taktieren, drehen und winden, „wenn ich, dann Preetz“, das schafft klare Verhältnisse. Die Preetz Gegner hingegen, wählen den Gegenkandidaten der Opposition, welcher einen neuen Masterplan für die wirtschaftliche Konsolidierung, ein neues Konzept für die Jugendförderung und einen neuen Geschäftsführer Sport in den Ring wirft, welcher nach einem Neuaufbau dem Verein zu strahlendem Glanz verhilft.
Hüstel.
Wer sich mit der Angelegenheit befasst hat, hat es bemerkt, es gibt keinen solchen Gegenkandidaten. Es gibt ein paar Krakeeler, welche den Sturz des Präsidenten und einen absoluten Neuanfang fordern. Es gibt keinen ernstzunehmenden Kandidaten, der den Arsch in der Hose hätte, sich offiziell als Gegenkandidat zu Werner Gegenbauer aufstellen zu lassen. Von einem Konzept, welches über fönartige heiße Luft hinausgeht, reden wir gar nicht erst.
Die Wahl, welche die Hertha-Mitglieder am Dienstagabend (und Mittwochmorgen) hatten, lautete demnach nicht „Konzept 1“ gegen „Konzept 2“, sondern „überhaupt ein Konzept, wobei unklar ist ob gut oder schlecht für die anstehenden Aufgaben in der 2. Liga“ gegen „kopfloses Chaos“. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die noch weitaus mehr als wir zu Größenwahn neigenden Mitglieder des 1. FC Köln sich für die Option „kopfloses Chaos“ entschieden hätten. Eine offenbar überaus reizvolle Option, welche den Kölnern in den letzten 15 Jahren zu einer Ära sportlichen Glanzes und Stabilität verholfen hat.
Nochmals Hüstel.
In der Tat waren 743 Mitglieder bereit, den aktuellen Präsidenten von Bord zu jagen, ohne dass auch nur eine Idee bestanden hätte, wer das entstehende Vakuum hätte ausfüllen sollen (und gleich gar nicht, wer es hätte ausfüllen können).
743 Mitglieder waren bereit, den Mann abzuwählen, der mit seinem Unternehmen und seinen Vernetzungen in Politik und Wirtschaft so ziemlich der letzte ist, der zwischen Hertha und dem Insolvenzverwalter steht. Nichts anderes machen Gegenbauer und Preetz nämlich seit 2008, sie versuchen verzweifelt die Löcher zu stopfen, die die größte Geldvernichtungsmachine, die Ulm jemals hervorgebracht hat, hinterlassen hat.
743 Mitglieder waren bereit, das Schicksal dieses ins wanken geratenen Vereins einer Opposition anzuvertrauen, die es noch nicht mal fertig bekommen hat, eine Idee zu äußern, wer es statt Gegenbauer/Preetz machen soll. Und ich verlange ja noch nicht mal eine realistische Idee, zum Start hätte mir ja schon eine Idee aus dem Nimmerland gereicht, wegen meiner Arsene Wenger. Zumindest Humor und Phantasie hätten sie damit bewiesen.
Und dann gab es noch 2032 Mitglieder, die ihr Gehirn eingeschaltet haben bevor sie ihr Kreuz gemacht haben. Ob sie den Verein damit gerettet haben – man weiß es nicht. Zumindest haben sie den sofortigen Exitus verhindert. Und dafür 2032-fachen Dank.
Eine Mischung aus Angst und Ekstase
1:0 gewonnen gegen Bremen. Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, Tränen der Rührung sammeln sich in den Augen. Bereits 30 Minuten zuvor herrschte purer Unglaube im Stadion. Ein Ball war im Tor von Tim Wiese gelandet. Nicht abgepfiffen wegen Stürmerfoul, die Fahne des Linienrichters unten, der Schiedsrichter zum Mittelkreis zeigend – es zählt!! Es war noch nicht mal ein Eigentor von Werder Bremen, nein, Hertha hatte das Führungstor erzielt. Was folgte war eine 30 Minuten lange Mischung aus Angst und Ekstase, wie sie selbst für einen Fußballfan nicht alltäglich ist, aber spulen wir ein paar Wochen und Monate zurück. Was war passiert?
Manchmal läuft es dumm im Fußball. Die eigene Mannschaft spielt schlecht, wirkt lustlos oder agiert einfach sehr unglücklich. Die Stürmer treffen aus 2 Metern das leere Tor nicht, die offensiven Mittelfeldspieler nageln aus 20 Metern reihenweise die Bälle gegen den Pfosten, die defensiven Mittelfeldspieler stolpern über ihre eigenen Füße, die Verteidiger in der Viererkette schlafen, lassen sich von wieselflinken Stürmern düpieren und der Torwart wirft sich den Ball selbst ins Tor. Alle diese Dinge passieren jeder Mannschaft einmal und so kommt es dann, dass man ein, zwei, drei Spiele lang auf die Jacke bekommt.
Hertha jedoch, hatte sich Ende Oktober 2011 vorgenommen, wieder etwas Besonderes abzuliefern. Ein bis drei Spiele schlecht und/oder unglücklich spielen kann ja jeder. Und so wurde der Plan abgefasst mal wieder eine richtige Serie zu starten. Keine halben Sachen, wie etwa der HSV, der mal einen Saisonstart verreißt. Oder der FC Bayern, der sich auch mal eine kleine Schwächephase gönnt und am Ende dann den Trainer feuert, weil man nur 2. oder 3. geworden ist. Nein, Hertha hatte höhere Ziele. Wie oft würde man es schaffen, in Folge nicht zu gewinnen? Wie lange könnte man es durchziehen, nicht ein einziges Tor zu schießen? Wie viele Niederlagen in Folge würde man hinbekommen. Nu denn, das Erreichte kann sich tatsächlich sehen lassen, die Fakten lauten wie folgt:
Der letzte Liga-Sieg datierte vom 29.10.2011 (den DFB-Pokal lassen wir mal außen vor). Somit hat Hertha 12 Spiele in Folge nicht gewonnen und dabei 6 Spiele in Folge verloren. Nicht schlecht. Die Bilanz in den Heimspielen liest sich nicht ganz so beeindruckend. Nur 7 Heimspiele wurden in Folge nicht gewonnen, wobei immerhin noch die letzten 4 verloren werden konnten. Da sind wir aus der Saison 2009/2010 beeindruckendes gewöhnt.
Spaß beiseite und Klartext. Wir haben mal wieder ordentlich auf die Fresse bekommen. Wir haben bei weitem nicht immer schlecht gespielt. Wenn man sich an die Auftritte gegen den BVB, gegen Hannover oder auch im Pokal gegen Gladbach zurück erinnert, dann waren die Ergebnisse auch schon mal etwas unglücklich. Wenn man dann aber sieht, dass (inkl. 120 Pokalminuten) zwischen dem Treffer von Pierre-Michel Lasogga gegen den HSV und dem Tor von Nikita Rukavytsya gegen Werder ganze 550 Spielminuten vergingen (das! sind! über! 9! Stunden! Spielzeit!), dann muss man sich ernsthaft fragen, ob man etwas in der 1. Liga verloren hat.
Diese Frage ist auch nach dem Sieg gegen Bremen noch nicht beantwortet.
So erleichtert ich über die 3 Punkte – die ersten Punkte im Jahr 2012 – bin, so großartig das schon längst in Vergessenheit geratene Gefühl eines Torjubels war, es darf alles nicht darüber hinweg täuschen, dass Hertha nach wie vor in akuter Abstiegsgefahr schwebt. Freiburg ist nach einem Unentschieden gegen Bayern und einem Sieg gegen Schalke wieder im Rennen. Augsburg hat uns geschlagen und einen Punkt aus Hannover mitgenommen. Wie klare Absteiger haben sich zuletzt weder die schwäbischen Bayern (oder bayerischen Schwaben?) noch die Breisgauer präsentiert. Einzig K’lautern scheint den Spielklassen-Wechsel unbeirrt anzustreben. Eine weitere Bewerbung für die negativen Spitzenpositionen gibt es noch von Köln – und auch der HSV sollte sich noch nicht in Sicherheit wiegen.
Hertha hat gegen den SVW ein Lebenszeichen abgegeben. Auf der Intensivstation liegen wir weiterhin. Was mich dann auch gleich zu meinen Erwartungen für das kommende Spiel in Köln bringt. Die liegen nicht besonders hoch. Im Prinzip haben wir im Jahr 2012 auswärts bislang nur klare Niederlagen gesehen, teilweise in empfindlicher Höhe. Wenn dieser Trend gestoppt werden könnte und vielleicht ein “dreckiges 0:0” für uns dabei herausspringen würde, dann wäre ich zufrieden. Hauptsache Hertha lässt sich nicht abschlachten wie in Stuttgart oder Augsburg. Wäre das möglich?
Im freien Fall
489 Pflichtspielminuten ohne eigenes Tor – and counting.
Was soll man dazu sagen? Im Prinzip bin ich sprachlos. Die Art und Weise auf die meine Mannschaft auseinanderbricht ist kaum fassbar. Es ist beinahe schon sinnlos nach dem 3:0 gegen Augsburg zu analysieren, wer wann wo falsch gestanden hat. Warum die Verteidiger teilweise aus ehrfürchtiger Entfernung den Gegnern beim Flanken zugucken. Warum kaum zwei aufeinander folgende Pässe ihre Empfänger erreichen. Weshalb weder gelernte Stürmer, noch offensive Mittelfeldspieler in der Lage sind, ein Tor zu schießen. Nur ein einziges Tor, bitte. Bitte!
Es spielt keine Rolle. Zum zweiten mal innerhalb von drei Jahren demonstriert Hertha, das wir eine Mannschaft beisammen haben, der man nur mit ganz viel Phantasie das Attribut „erstligatauglich“ zuweisen kann. Vom Potential her wäre der Klassenerhalt drin – wenn die Leistungsträger ihre Normalform erreichen, und darüber hinaus zwei bis drei weitere Spieler ein wenig über sich hinaus wachsen. Das Problem: Die Leistungsträger sind von 100 Prozent ihrer Normalleistung Meilen entfernt. Ramos steht neben sich. Raffael wirkt lust- und ideenlos. Vielleicht ist der Brasilianer aber auch einfach nur der am meisten überschätze Spieler der Bundesliga. Auch Roman Hubnik ist verunsichert. Ich halte Hubnik für einen guten Innenverteidiger, aber in der derzeitigen Situation passieren auch ihm einfach zu viele Fehler. Wenn diese drei Eckpfeiler nicht funktionieren, dann klappt nichts mehr. Einzig Thomas Kraft spielt gut, kann die Versäumnisse seiner 10 Vorderleute aber auch nicht alleine ausmerzen. Er ist die vielzitierte ärmste Sau auf dem Platz.
Ebert, Niemeyer, Kobiashvili, Mijatovic, Rukavytsya – ihnen allen mache ich keinen Vorwurf. Sie spielen was sie können, leider sind sie nicht gut genug für Liga 1. Gerade Patrick Ebert wird von vielen Fans als Sündenbock gesehen. Ich nehme ihn in Schutz: Er gibt 100 %, mehr erwarte ich von niemandem. Er! Ist! Nicht! Besser!
Auch auf die jungen Spieler möchte ich den Zeigefinger nicht richten. Es wäre unfair Lasogga für die Misere verantwortlich zu machen. Viele, auch ich, haben ihn als Heilsbringer herbei gewünscht. Aber er ist erst 20 Jahre alt. Er zeigt großen Einsatz. An ihm liegt es nicht. Über Morales, Neumann, Perdedaj & Co müssen wir denke ich mal auch nicht sprechen.
Kann man das Steuer diese Saison noch herumreißen und einen erneuten Abstieg vermeiden? Keine Ahnung. Der erste Trainerwechsel ist so wirkungslos verpufft wie kaum einer zuvor. Michael Skibbe hat ein bereits im Sinkflug befindliches Flugzeug übernommen und es in den Sturzflug geschickt. Das Interimsduo Tretschok/Covic hat die Mannschaft gegen Dortmund offenbar super eingestellt, leider nur gab es auch in diesem Spiel keine Belohnung für den großen Kampf, der dem amtierenden deutschen Meister geboten wurde. Für die Moral ist das natürlich fatal. Auch Ottos Einstand ist jetzt gründlich in die Hose gegangen. Um bei der Flugzeug-Metapher zu bleiben: Hertha rast ungebremst auf den Boden zu. Vorn versucht die Crew verzweifelt, das Flugzeug noch abzufangen. Die Passagiere sind nicht in Panik ausgebrochen, dazu sind sie viel zu geschockt – und spätestens nach dem Spiel in Augsburg regelrecht paralysiert.
Viel Zeit bleibt nicht mehr bis zum Aufschlag.
Extrablatt, Extrablatt! Rekord bei Hertha BSC!
Peter Neururer:
Bei Hertha BSC von März bis Mai 1991 (gute 2 Monate),
Bilanz: 12 Spiele, 2 Unentschieden, 10 Niederlagen.
Michael Skibbe:
Bei Hertha BSC von Januar bis Mitte Februar 2012 (ca 1 1/2 Monate),
Bilanz: 5 Spiele, 5 Niederlagen
Ich hab gedacht, die Leistung Bilanz von Peter Neururer wäre ein Rekord für die Ewigkeit.
Ich habe mich geirrt.
inventfootball:
Why does Germany wear green? The Ireland myth and the truth.
After dropping a few hints over the past few months, Adidas released the new Germany away kit that will be used throughout EURO 2012. It’s green. Really, really green. Like you, we’ve seen a German flag before and could not find a trace of green on it. So where does this green come from? Well, there’s a popular myth and then there’s the truth.
The myth is that the roots of green lie in post-World War II Germany. Many believe Ireland were the first team willing to play against Germany after the war ended, and so the Germans remembered the gesture by donning Ireland’s traditional green kits.
The truth is, however, that the green does not have anything to do with Ireland. Actually, the first team to play Germany after the war was Switzerland. As for the green and white combo? Well, it wasn’t purely motivated by aesthetics. The colors are derived from the DFB (German football federation) logo, which was designed using green and white, the colors that make up a football pitch. So Ireland, you’re still great, but you’re not responsible for the creation of these awesome green kits.
(via afootballreport)
Ja, es war unfair, aber
…
Es ist immer wieder unschön, wenn man hilflos mit ansehen muss, wenn eine unsportliche Aktion ein Spiel zerstört. Gestern war es Igor de Camargo, der ein bis dahin ausgeglichenes Spiel zu Gunsten seiner Mannschaft entschied. Mit einer selten schlechten schauspielerischen Einlage narrte de Camargo den Schiedsrichter, holte einen Witz-Elfmeter für Gladbach raus, schickte Roman Hubnik vorzeitig in die Kabine. Er sicherte seiner Mannschaft damit ein Halbfinale im diesjährigen DFB-Pokal und einen fetten Batzen Geld. Er sicherte sich damit aber auch die Verachtung zahlloser Fußballfans, die fassungslos im Stadion oder vor den Fernsehern mit ansehen mussten, dass man mit Unfairness manchmal eben doch weiter kommt. Willkommen im Leben.
Müßig zu erwähnen, dass diese ganze Situation nicht entstanden wäre, wenn Roman Hubnik seine Nerven im Griff gehabt hätte. Wäre Hubnik nicht auf den Brasilianer zugestürmt, wäre außer einem Abschlag des Torwarts nichts passiert. Roman Hubnik hat de Camargo eine Einladung überreicht, die dieser nur allzu dankbar angenommen hat. Ich denke, Roman Hubnik weiß das - und ärgert sich über sich selbst fasst genauso stark wie über das widerliche Verhalten seines Gegenspielers.
(Mittlerweile hat das DFB-Sportgericht Hubnik übrigens freigesprochen, was nach den Steinzeit-DFB-Regularien bedeutet: 1 Spiel Sperre.)
Nachdem wir uns jetzt alle eine Nacht und einen Tag lang fürchterlich aufgeregt haben, möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass wir nicht nur auf Grund dieser Aktion verloren haben. Hertha ging gestern als klarer Underdog in das Spiel (erstaunlich, erinnert ihr euch noch daran, dass Gladbach im Februar 2011 schon so gut wie abgestiegen war?) und schlug sich wirklich wacker. Es war jedenfalls nicht wirklich zu erkennen, welche der beiden Mannschaften diese Saison um die Champions League-Plätze spielt, und welche Mannschaft schon seit 9 Ligaspielen nicht mehr gewonnen hat. Nun ja, so ein bisschen konnte man es vielleicht doch erkennen, denn die Chancenverwertung unserer Mannschaft war mal wieder erbärmlich. Grundsätzlich erarbeiten wir uns in meinen Augen nicht genug Torchancen - und wenn sich dann doch eine gute Gelegenheit auftut, wird sie kläglich vertändelt. Insbesondere Adrian Ramos wirkt total verunsichert und scheint sich den Abschluss momentan nicht mehr richtig zuzutrauen. Im Angesicht des Tores fängt der Kolumbianer an wahlweise zu stolpern, unnötig (und unpräzise) quer zu legen oder den Ball grob in Richtung Ruhleben zu schiessen. Liegts an den arktischen Temperaturen? Knipst er die Dinger wieder mit links rein, wenn das Quecksilber den Minusbereich verläßt?
Pierre-Michel Lassoga hingegen traut sich sehr wohl etwas zu, muss sich die Bälle aber zu oft selbst aus dem Mittelfeld oder von den Flügeln holen. Bislang hat es, soweit ich weiß, aber noch keiner geschafft, sich selbst eine Torvorlage zuzuflanken.
Es ist eine alte Binsenweisheit: wer keine Tore schießt, kann keine Spiele gewinnen. Entweder wir schaffen es schleunigst mal wieder, dem Gegner nicht nur in jedem 3. bis 4. Spiel ein Törchen einzuschenken, oder wir finden uns ganz schnell auf den Abstiegsrängen wieder. Eine Erkenntnis des gestrigen Tages: Das Mannschaftsgefüge und die Moral stimmen. Das macht Hoffnung. Jetzt brauchen wir mal wieder eine kleine Prise Glück - vielleicht klappts ja schon am Wochenende in Stuttgart.
Panik? Panik!
“Nur ruhig Blut”, sagte ich zu einem Freund, als dieser auf den Abgang von Markus Babbel und der darauf folgenden Verpflichtung von Michael Skibbe mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn reagierte, “wart’ doch erstmal ab. Anfang nächsten Jahres spielen wir in Nürnberg, danach zweimal zu Hause, und du wirst sehen: von da ab erwartet uns gepflegte Langeweile in der Rückrunde. Kein Grund zur Panik!”
Ich gebe zu, die Sorgenfalten sind inzwischen auch auf meiner Stirn vorzufinden. Drei Spiele der Rückrunde sind nunmehr gelaufen und Hertha hat eine eher karge Ausbeute von 0 (in Worten: Null) Punkten vorzuweisen. Kein Sieg seit 9 Spielen, dabei nur 4 Punkte geholt. Das Punktepolster zum Relegationsplatz ist auf 2 Pünktchen zusammengeschmolzen - 5 Punkte waren es nach dem 15. Spieltag. Hertha trudelt langsam aber stetig dem Tabellenende entgegen.
Nein, anstatt Langeweile wird uns in den verbleibenden 14 Spielen wohl eher Adrenalin als Begleiter zur Seite stehen. Wer seine Heimspiele nicht in ausreichender Zahl gewinnt, der steigt ab (oder landet zumindest auf einem Relegationsplatz). Das ist eine Stammtischweisheit, die nur zu oft durch die Realität bestätigt wurde: Letzte Saison erwischte es Frankfurt, Gladbach und St. Pauli mit 4 bzw. 5 Heimsiegen. In der Saison davor waren es Hertha, Bochum und Köln mit 1 (Hüstel!), 2 bzw. 3 Heimsiegen. Nun ja, diesen Negativrekord können wir diese Saison nicht mehr unterbieten, ein (glücklicher) Heimsieg gegen Stuttgart und ein (absolut klarer) Heimsieg gegen Köln verdoppeln unsere Heimsiegbilanz im Vergleich zur Saison 2009/2010 bereits jetzt - aber dennoch: in der Heimtabelle steht nach dem 20. Spieltag wer auf dem 18. und damit letzten Tabellenplatz?
Hertha steht deshalb in der Gesamttabelle noch über dem Strich, weil wir uns in der Hinrunde auswärts Punkte geholt haben, die im Prinzip nicht vorab einkalkuliert werden konnten: ein Auswärtssieg in Dortmund gelingt dieser Tage nicht vielen. Genau genommen hat diese Saison bis jetzt nur EINE Mannschaft 3 Punkte aus Dortmund mitgenommen. Darüber hinaus gab’s noch einen Sieg in Wolfsburg und 5 Unentschieden. Reicht für Platz 7 in der Auswärtstabelle, ein großartiges Ergebnis für einen Aufsteiger. Da wir aber nicht damit rechnen können, dass wir dieses Kunststück in der Rückrunde wiederholen, müssen wir unsere Heimspiele gewinnen, koste es was es wolle.
Die gute Nachricht: es kommen noch 7 Heimspiele, in denen wir fleißig Punkte sammeln können.
Die schlechte Nachricht: die nächsten 3 Heimspiel-Gegner heißen Dortmund, Bremen und Bayern.
Wer wettet nach dem bisherigen Saisonverlauf in diesen Spielen größere Geldbeträge auf Heimsiege von Hertha BSC? Zumal Jürgen Klopp in der Dortmunder Kabine nur das Ergebnis vom Hinspiel auf eine Schiefertafel zu pinseln braucht, sich danach in den Nebenraum zurückziehen und einen auf “Enjoy” machen kann. Ich glaube, unser nächster Heimspielgegner wird uns recht motiviert entgegen treten.
“Kein Grund zur Panik!” habe ich vor der Winterpause gesagt. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen auch tatsächlich die Ruhe bewahren und professionell und ruhig weiter arbeiten. Mir als Fan wird allerdings langsam recht mulmig zumute. Es wäre tunlichst angebracht, irgendetwas Zählbares aus Stuttgart mitzubringen. Wenn wir am Ende als die Mannschaft in die Geschichtsbücher eingehen, die mit den wenigsten Heimsiegen in einer Saison auf Grund einer grandiosen Auswärtsbilanz nicht abgestiegen ist, dann soll mir das auch recht sein. Aber verlassen würde ich mich da nicht drauf.
Zum Thema VIP-Tickets für Berliner Abgeordnete
VIP-Tickets für Abgeordnete sind in aller Munde. Dabei ist es in meinen Augen weniger störend, dass Abgeordnete auf VIP-Plätzen bei Hertha, den Philharmonikern (und weiß Gott wo überall sonst noch) Platz nehmen. Politiker sind Personen, die sowohl von ihren Aufgaben, als auch von der Verantwortung, die sie mit ihrem Amt übernehmen, im öffentlichen Scheinwerferlicht stehen. Sie sind somit Personen von öffentlichem Interesse, für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft nicht unwichtig - und gehören somit, zumindest meiner Meinung nach, in den VIP-Bereich. Stein des Anstoßes ist viel mehr, dass Berliner Abgeordnete diese VIP-Tickets kostenlos erhalten. Moment mal, mag man da einwerfen, wieso erhalten Abgeordnete etwas kostenlos, wofür jeder Normalbürger sein sauer verdientes Geld ausgeben muss?
Diese Frage haben sich auch die Abgeordneten der Berliner Piratenfraktion gestellt und kamen zu dem Schluss: Wir nehmen die Freikarten-Kontingente nicht mehr an. “Bravo!” rufen die Einen, und freuen sich darüber, dass die Piraten den etablierten Haufen mal so richtig aufmischen; “Moment mal!” meinen die Anderen, gehört es nicht zu den repräsentativen Aufgaben von Politikern, am öffentlichen Leben teilzunehmen? Und wenn es zu den (sicherlich angenehmen) Aufgaben eines Politikers gehört, sich im Kulturbetrieb zu zeigen, dann darf hitzig aber ergebnisoffen diskutiert werden, ob verlangt werden kann, dass die Abgeordneten dies aus eigener Tasche zahlen.
Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Berliner Abgeordnetenhaus um ein Freizeitparlament handelt: Gemessen an ihren Aufgaben und der damit einhergehenden Verantwortung sind Politiker (nicht nur in Berlin) nur bedingt gut bezahlt. Nicht umsonst gab es zuletzt größere Probleme, den Posten des Berliner Justizsenators zu besetzen (und der normale Abgeordnete verdient nur einen Bruchteil dessen, was der Justizsenator erhält). Manager in Führungspositionen großer Unternehmen lachen über die Abgeordneten-Diäten. Dabei ginge es jetzt sicherlich zu weit, in diesem Blog die Frage beantworten zu wollen, ob man nicht vielleicht eine erhebliche Qualitätssteigerung in der Politik erreichen würde, wenn man Abgeordnete so bezahlen würde, dass die Elite der Uni-Abgänger bei der Frage “Siemens oder Abgeordnetenhaus?” ernsthaft die Antwort “Abgeordnetenhaus!” in Erwägung zieht. Auch die Frage, ob höhere (und sich an Führungspositionen in der Wirtschaft orientierende) Diäten, bei gleichzeitiger Untersagung jeglicher bezahlter Nebentätigkeiten, zu einer erheblichen Reduzierung von Interessenkonflikten in der politischen Kaste führen könnten, kann dieser kleine (und, Verzeihung, noch dazu sehr unregelmäßig geführte) Fußball-Blog nicht abschließend beantworten. Wäre es jedoch so, dann ließen sich vielleicht eher parlamentarische Mehrheiten für eine Untersagung jeglicher zusätzlicher Vorteile, wie z.B. die Nutzung von VIP-Freikartenkontingenten, gesetzlich (und ohne Schlupflöcher) finden.
Fakt ist: die Vergabe von Freikarten an Politiker wurde rechtlich geprüft - und von der Rechtsprechung als legal eingestuft. Eine Institution, die entsprechende Angebote macht, macht sich nicht der Vorteilsgewährung schuldig. Ein Politiker, der entsprechende Angebote annimmt, macht sich nicht der Vorteilsnahme schuldig. Die Urteilsbegründung (Link via textilvergehen.de) mag sich jeder nach eigenem Gusto zu Gemüte führen.
“Nicht alles, was rechtens ist, ist auch richtig”, sagt Martin Delius von der Piraten-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Dieser Satz, so zutreffend er leider ist, stellt für mich das Hauptproblem dar: wo Grauzonen existieren, existieren immer auch Interessen- und Gewissenskonflikte. Wo Grauzonen existieren, bringt man Menschen in die Position “päpstlicher als der Papst” sein zu müssen - oder aber rechtlich einwandfrei, jedoch in den Augen mancher Hüter der Moral bedenklich zu handeln.
Die Piraten haben sich für das hehre Ziel entschieden, jegliche Grauzone meiden zu wollen. Edel. Oder einfach clevere PR. Die Abgeordneten der Piraten-Partei positionieren sich als moralische Instanz und heben sich damit eine Grube mit beträchtlicher Fallhöhe aus. Mal sehn wie lange es dauert, bis einer über den selbst gespannten Strick stolpert.
Im Süden nichts Neues
Außer Spesen nix gewesen. Alle Jahre wieder das gleiche Spiel: Hertha fährt nach München, bedankt sich für die Gastfreundschaft – und lässt als Gastgeschenk 3 Punkte an der Isar. Kein Wunder, mag man denken, schließlich gibt es mehr als eine Hand voll Vereine, die Jahr für Jahr die Heimstärke des FC Bayern kennen lernen. Allerdings hat Hertha auch als Gast von 1860 selten bis nie etwas Zählbares in München ergattert (im September 2001 gab es den letzten Auswärts-Dreier bei 1860). Also denkt man sich schon gar nichts mehr dabei, und setzt sich in Erwartung der nächsten Niederlage vor den Bildschirm.
105 Minuten nach dem Anpfiff der Partie weiß man Näheres: Wieder keine Punkte geholt, wieder eine Lehrstunde erhalten, wieder Glück gehabt, dass es nicht noch deutlich peinlicher wurde. 4:0 für die Hausherren klingt schon recht deutlich, und dennoch hätte sich Hertha nicht beschweren können, wenn es noch 3 Tore mehr für die Münchner geworden wären. Hilflos, kraftlos, chancenlos. Unsere Verteidigung war löchrig wie der berühmte Schweizer Käse. Es ist egal, welchen Namen man heraus pickt: Lell, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili – Totalausfälle. Ribery und Co konnten im Berliner Strafraum schalten und walten wie sie wollten. Das Spiel war einfach um 2 Nummern schneller, als die Herthaner auch nur mitdenken konnten. Von mitspielen ganz zu schweigen.
Mit Thomas Kraft hatte ich regelrecht Mitleid. Ein ums andere mal wurde er von seinen Vorderleuten schmählich im Stich gelassen. Beim ersten und dritten Tor könnte man jetzt wieder die Fiedler-Karte ziehen und „zu klein“ rufen. Die Bälle von Gomez und Schweinsteiger waren jeweils sehr präzise geschossen – und trotzdem wurde man den Gedanken nicht los, dass man die hätte haben können, wenn die Fingernägel noch ein paar Zentimeter länger… Gleiches gilt für die eigentlich hervorragende Abwehr beim Elfmeter zum 4:0. Kraft war dran – aber dann zappelte der ball doch wieder im Netz.
Nachdem die Verteidiger den Dienst verweigerten, schlossen sich dem auch die defensiven Mittelfeldspieler an. Ottl und Niemeyer? Fehlanzeige.
Über die Offensivabteilung hängen wir dann heute auch den Mantel des Schweigens. Zu überlegen waren die Bayern, als das man auch nur an den Versuch des Aufbaus eines Offensivspiels hätte denken können. Die wenigen Aktionen in der 2. Halbzeit, die dann doch mal in der Spielhälfte des Gegners stattfanden, führten nicht zu wirklich gefährlichen Szenen. Die Bayern schonten sich für schwierigere Aufgaben, und ließen den Gegner noch ein bisschen zappeln.
Das klingt jetzt alles recht dramatisch. Und dennoch haben wir hier heute, wie eingangs gesagt, nichts Neues oder gar Überraschendes gesehen. Die Bayern sind in diesem Jahr wieder einmal eine sportliche Macht, und haben möglicherweise eine Mannschaft, mit der man tatsächlich in Richtung des Champions League Titels schielen kann. Und Hertha …, tja, Hertha spielt um den Klassenerhalt. Aber das haben wir ja alle (?) – auch nach den überraschenden Punkten aus Dortmund und der überzeugenden Leistung gegen Köln – nie aus den Augen verloren. Nicht wahr?
In ein paar Wochen oder Monaten, wenn wir die Einzelheiten dieses Spiels längst vergessen haben, werden wir einfach nur auf die Tabelle schauen, uns daran erinnern, wo wir Punkte geholt haben und wo nicht, um schließlich zu resümieren: Im Süden nichts Neues.