Blaue Karte

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February 2012

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Im freien Fall

489 Pflichtspielminuten ohne eigenes Tor – and counting.

Was soll man dazu sagen? Im Prinzip bin ich sprachlos. Die Art und Weise auf die meine Mannschaft auseinanderbricht ist kaum fassbar. Es ist beinahe schon sinnlos nach dem 3:0 gegen Augsburg zu analysieren, wer wann wo falsch gestanden hat. Warum die Verteidiger teilweise aus ehrfürchtiger Entfernung den Gegnern beim Flanken zugucken. Warum kaum zwei aufeinander folgende Pässe ihre Empfänger erreichen. Weshalb weder gelernte Stürmer, noch offensive Mittelfeldspieler in der Lage sind, ein Tor zu schießen. Nur ein einziges Tor, bitte. Bitte!

Es spielt keine Rolle. Zum zweiten mal innerhalb von drei Jahren demonstriert Hertha, das wir eine Mannschaft beisammen haben, der man nur mit ganz viel Phantasie das Attribut „erstligatauglich“ zuweisen kann. Vom Potential her wäre der Klassenerhalt drin – wenn die Leistungsträger ihre Normalform erreichen, und darüber hinaus zwei bis drei weitere Spieler ein wenig über sich hinaus wachsen. Das Problem: Die Leistungsträger sind von 100 Prozent ihrer Normalleistung Meilen entfernt. Ramos steht neben sich. Raffael wirkt lust- und ideenlos. Vielleicht ist der Brasilianer aber auch einfach nur der am meisten überschätze Spieler der Bundesliga. Auch Roman Hubnik ist verunsichert. Ich halte Hubnik für einen guten Innenverteidiger, aber in der derzeitigen Situation passieren auch ihm einfach zu viele Fehler. Wenn diese drei Eckpfeiler nicht funktionieren, dann klappt nichts mehr. Einzig Thomas Kraft spielt gut, kann die Versäumnisse seiner 10 Vorderleute aber auch nicht alleine ausmerzen. Er ist die vielzitierte ärmste Sau auf dem Platz.

Ebert, Niemeyer, Kobiashvili, Mijatovic, Rukavytsya – ihnen allen mache ich keinen Vorwurf. Sie spielen was sie können, leider sind sie nicht gut genug für Liga 1. Gerade Patrick Ebert wird von vielen Fans als Sündenbock gesehen. Ich nehme ihn in Schutz: Er gibt 100 %, mehr erwarte ich von niemandem. Er! Ist! Nicht! Besser!

Auch auf die jungen Spieler möchte ich den Zeigefinger nicht richten. Es wäre unfair Lasogga für die Misere verantwortlich zu machen. Viele, auch ich, haben ihn als Heilsbringer herbei gewünscht. Aber er ist erst 20 Jahre alt. Er zeigt großen Einsatz. An ihm liegt es nicht. Über Morales, Neumann, Perdedaj & Co müssen wir denke ich mal auch nicht sprechen.

Kann man das Steuer diese Saison noch herumreißen und einen erneuten Abstieg vermeiden? Keine Ahnung. Der erste Trainerwechsel ist so wirkungslos verpufft wie kaum einer zuvor. Michael Skibbe hat ein bereits im Sinkflug befindliches Flugzeug übernommen und es in den Sturzflug geschickt. Das Interimsduo Tretschok/Covic hat die Mannschaft gegen Dortmund offenbar super eingestellt, leider nur gab es auch in diesem Spiel keine Belohnung für den großen Kampf, der dem amtierenden deutschen Meister geboten wurde. Für die Moral ist das natürlich fatal. Auch Ottos Einstand ist jetzt gründlich in die Hose gegangen. Um bei der Flugzeug-Metapher zu bleiben: Hertha rast ungebremst auf den Boden zu. Vorn versucht die Crew verzweifelt, das Flugzeug noch abzufangen. Die Passagiere sind nicht in Panik ausgebrochen, dazu sind sie viel zu geschockt – und spätestens nach dem Spiel in Augsburg regelrecht paralysiert.

Viel Zeit bleibt nicht mehr bis zum Aufschlag.

Feb 26, 2012
#hertha #augsburg #wtf
Extrablatt, Extrablatt! Rekord bei Hertha BSC!

Peter Neururer: 

Bei Hertha BSC von März bis Mai 1991 (gute 2 Monate),
Bilanz: 12 Spiele, 2 Unentschieden, 10 Niederlagen.

Michael Skibbe:

Bei Hertha BSC von Januar bis Mitte Februar 2012 (ca 1 1/2 Monate),
Bilanz: 5 Spiele, 5 Niederlagen

Ich hab gedacht, die Leistung Bilanz von Peter Neururer wäre ein Rekord für die Ewigkeit.

Ich habe mich geirrt.

Feb 12, 2012
#Hertha BSC #Peter Neururer #Michael Skibbe #Rekord
Feb 10, 2012441 notes
Ja, es war unfair, aber…...

Es ist immer wieder unschön, wenn man hilflos mit ansehen muss, wenn eine unsportliche Aktion ein Spiel zerstört. Gestern war es Igor de Camargo, der ein bis dahin ausgeglichenes Spiel zu Gunsten seiner Mannschaft entschied. Mit einer selten schlechten schauspielerischen Einlage narrte de Camargo den Schiedsrichter, holte einen Witz-Elfmeter für Gladbach raus, schickte Roman Hubnik vorzeitig in die Kabine. Er sicherte seiner Mannschaft damit ein Halbfinale im diesjährigen DFB-Pokal und einen fetten Batzen Geld. Er sicherte sich damit aber auch die Verachtung zahlloser Fußballfans, die fassungslos im Stadion oder vor den Fernsehern mit ansehen mussten, dass man mit Unfairness manchmal eben doch weiter kommt. Willkommen im Leben.
Müßig zu erwähnen, dass diese ganze Situation nicht entstanden wäre, wenn Roman Hubnik seine Nerven im Griff gehabt hätte. Wäre Hubnik nicht auf den Brasilianer zugestürmt, wäre außer einem Abschlag des Torwarts nichts passiert. Roman Hubnik hat de Camargo eine Einladung überreicht, die dieser nur allzu dankbar angenommen hat. Ich denke, Roman Hubnik weiß das - und ärgert sich über sich selbst fasst genauso stark wie über das widerliche Verhalten seines Gegenspielers.
(Mittlerweile hat das DFB-Sportgericht Hubnik übrigens freigesprochen, was nach den Steinzeit-DFB-Regularien bedeutet: 1 Spiel Sperre.)

Nachdem wir uns jetzt alle eine Nacht und einen Tag lang fürchterlich aufgeregt haben, möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass wir nicht nur auf Grund dieser Aktion verloren haben. Hertha ging gestern als klarer Underdog in das Spiel (erstaunlich, erinnert  ihr euch noch daran, dass Gladbach im Februar 2011 schon so gut wie abgestiegen war?) und schlug sich wirklich wacker. Es war jedenfalls nicht wirklich zu erkennen, welche der beiden Mannschaften diese Saison um die Champions League-Plätze spielt, und welche Mannschaft schon seit 9 Ligaspielen nicht mehr gewonnen hat. Nun ja, so ein bisschen konnte man es vielleicht doch erkennen, denn die Chancenverwertung unserer Mannschaft war mal wieder erbärmlich. Grundsätzlich erarbeiten wir uns in meinen Augen nicht genug Torchancen - und wenn sich dann doch eine gute Gelegenheit auftut, wird sie kläglich vertändelt. Insbesondere Adrian Ramos wirkt total verunsichert und scheint sich den Abschluss momentan nicht mehr richtig zuzutrauen. Im Angesicht des Tores fängt der Kolumbianer an wahlweise zu stolpern, unnötig (und unpräzise) quer zu legen oder den Ball grob in Richtung Ruhleben zu schiessen. Liegts an den arktischen Temperaturen? Knipst er die Dinger wieder mit links rein, wenn das Quecksilber den Minusbereich verläßt?
Pierre-Michel Lassoga hingegen traut sich sehr wohl etwas zu, muss sich die Bälle aber zu oft selbst aus dem Mittelfeld oder von den Flügeln holen. Bislang hat es, soweit ich weiß, aber noch keiner geschafft, sich selbst eine Torvorlage zuzuflanken.

Es ist eine alte Binsenweisheit: wer keine Tore schießt, kann keine Spiele gewinnen. Entweder wir schaffen es schleunigst mal wieder, dem Gegner nicht nur in jedem 3. bis 4. Spiel ein Törchen einzuschenken, oder wir finden uns ganz schnell auf den Abstiegsrängen wieder. Eine Erkenntnis des gestrigen Tages: Das Mannschaftsgefüge und die Moral stimmen. Das macht Hoffnung. Jetzt brauchen wir mal wieder eine kleine Prise Glück - vielleicht klappts ja schon am Wochenende in Stuttgart.

Feb 9, 2012
#Hertha BSC #Gladbach #DFB-Pokal
Panik? Panik!

“Nur ruhig Blut”, sagte ich zu einem Freund, als dieser auf den Abgang von Markus Babbel und der darauf folgenden Verpflichtung von Michael Skibbe mit tiefen Sorgenfalten auf der Stirn reagierte, “wart’ doch erstmal ab. Anfang nächsten Jahres spielen wir in Nürnberg, danach zweimal zu Hause, und du wirst sehen: von da ab erwartet uns gepflegte Langeweile in der Rückrunde. Kein Grund zur Panik!”

Ich gebe zu, die Sorgenfalten sind inzwischen auch auf meiner Stirn vorzufinden. Drei Spiele der Rückrunde sind nunmehr gelaufen und Hertha hat eine eher karge Ausbeute von 0 (in Worten: Null) Punkten vorzuweisen. Kein Sieg seit 9 Spielen, dabei nur 4 Punkte geholt.  Das Punktepolster zum Relegationsplatz ist auf 2 Pünktchen zusammengeschmolzen - 5 Punkte waren es nach dem 15. Spieltag. Hertha trudelt langsam aber stetig dem Tabellenende entgegen.

Nein, anstatt Langeweile wird uns in den verbleibenden 14 Spielen wohl eher Adrenalin als Begleiter zur Seite stehen. Wer seine Heimspiele nicht in ausreichender Zahl gewinnt, der steigt ab (oder landet zumindest auf einem Relegationsplatz). Das ist eine Stammtischweisheit, die nur zu oft durch die Realität bestätigt wurde: Letzte Saison erwischte es Frankfurt, Gladbach und St. Pauli mit 4 bzw. 5 Heimsiegen. In der Saison davor waren es Hertha, Bochum und Köln mit 1 (Hüstel!), 2 bzw. 3 Heimsiegen. Nun ja, diesen Negativrekord können wir diese Saison nicht mehr unterbieten, ein (glücklicher) Heimsieg gegen Stuttgart und ein (absolut klarer) Heimsieg gegen Köln verdoppeln unsere Heimsiegbilanz im Vergleich zur Saison 2009/2010 bereits jetzt - aber dennoch: in der Heimtabelle steht nach dem 20. Spieltag wer auf dem 18. und damit letzten Tabellenplatz?

Hertha steht deshalb in der Gesamttabelle noch über dem Strich, weil wir uns in der Hinrunde auswärts Punkte geholt haben, die im Prinzip nicht vorab einkalkuliert werden konnten: ein Auswärtssieg in Dortmund gelingt dieser Tage nicht vielen. Genau genommen hat diese Saison bis jetzt nur EINE Mannschaft 3 Punkte aus Dortmund mitgenommen. Darüber hinaus gab’s noch einen Sieg in Wolfsburg und 5 Unentschieden. Reicht für Platz 7 in der Auswärtstabelle, ein großartiges Ergebnis für einen Aufsteiger. Da wir aber nicht damit rechnen können, dass wir dieses Kunststück in der Rückrunde wiederholen, müssen wir unsere Heimspiele gewinnen, koste es was es wolle.
Die gute Nachricht: es kommen noch 7 Heimspiele, in denen wir fleißig Punkte sammeln können.
Die schlechte Nachricht: die nächsten 3 Heimspiel-Gegner heißen Dortmund, Bremen und Bayern.
Wer wettet nach dem bisherigen Saisonverlauf in diesen Spielen größere Geldbeträge auf Heimsiege von Hertha BSC? Zumal Jürgen Klopp in der Dortmunder Kabine nur das Ergebnis vom Hinspiel auf eine Schiefertafel zu pinseln braucht, sich danach in den Nebenraum zurückziehen und einen auf “Enjoy” machen kann. Ich glaube, unser nächster Heimspielgegner wird uns recht motiviert entgegen treten.

“Kein Grund zur Panik!” habe ich vor der Winterpause gesagt. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen auch tatsächlich die Ruhe bewahren und professionell und ruhig weiter arbeiten. Mir als Fan wird allerdings langsam recht mulmig zumute. Es wäre tunlichst angebracht, irgendetwas Zählbares aus Stuttgart mitzubringen. Wenn wir am Ende als die Mannschaft in die Geschichtsbücher eingehen, die mit den wenigsten Heimsiegen in einer Saison auf Grund einer grandiosen Auswärtsbilanz nicht abgestiegen ist, dann soll mir das auch recht sein. Aber verlassen würde ich mich da nicht drauf.

Feb 6, 20121 note
#Hertha BSC
Zum Thema VIP-Tickets für Berliner Abgeordnete

VIP-Tickets für Abgeordnete sind in aller Munde. Dabei ist es in meinen Augen weniger störend, dass Abgeordnete auf VIP-Plätzen bei Hertha, den Philharmonikern (und weiß Gott wo überall sonst noch) Platz nehmen. Politiker sind Personen, die sowohl von ihren Aufgaben, als auch von der Verantwortung, die sie mit ihrem Amt übernehmen, im öffentlichen Scheinwerferlicht stehen. Sie sind somit Personen von öffentlichem Interesse, für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft nicht unwichtig - und gehören somit, zumindest meiner Meinung nach, in den VIP-Bereich. Stein des Anstoßes ist viel mehr, dass Berliner Abgeordnete diese VIP-Tickets kostenlos erhalten. Moment mal, mag man da einwerfen, wieso erhalten Abgeordnete etwas kostenlos, wofür jeder Normalbürger sein sauer verdientes Geld ausgeben muss?

Diese Frage haben sich auch die Abgeordneten der Berliner Piratenfraktion gestellt und kamen zu dem Schluss: Wir nehmen die Freikarten-Kontingente nicht mehr an. “Bravo!” rufen die Einen, und freuen sich darüber, dass die Piraten den etablierten Haufen mal so richtig aufmischen; “Moment mal!” meinen die Anderen, gehört es nicht zu den repräsentativen Aufgaben von Politikern, am öffentlichen Leben teilzunehmen? Und wenn es zu den (sicherlich angenehmen) Aufgaben eines Politikers gehört, sich im Kulturbetrieb zu zeigen, dann darf hitzig aber ergebnisoffen diskutiert werden, ob verlangt werden kann, dass die Abgeordneten dies aus eigener Tasche zahlen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es sich beim Berliner Abgeordnetenhaus um ein Freizeitparlament handelt: Gemessen an ihren Aufgaben und der damit einhergehenden Verantwortung sind Politiker (nicht nur in Berlin) nur bedingt gut bezahlt. Nicht umsonst gab es zuletzt größere Probleme, den Posten des Berliner Justizsenators zu besetzen (und der normale Abgeordnete verdient nur einen Bruchteil dessen, was der Justizsenator erhält). Manager in Führungspositionen großer Unternehmen lachen über die Abgeordneten-Diäten. Dabei ginge es jetzt sicherlich zu weit, in diesem Blog die Frage beantworten zu wollen, ob man nicht vielleicht eine erhebliche Qualitätssteigerung in der Politik erreichen würde, wenn man Abgeordnete so bezahlen würde, dass die Elite der Uni-Abgänger bei der Frage “Siemens oder Abgeordnetenhaus?” ernsthaft die Antwort “Abgeordnetenhaus!” in Erwägung zieht. Auch die Frage, ob höhere (und sich an Führungspositionen in der Wirtschaft orientierende) Diäten, bei gleichzeitiger Untersagung jeglicher bezahlter Nebentätigkeiten, zu einer erheblichen Reduzierung von Interessenkonflikten in der politischen Kaste führen könnten, kann dieser kleine (und, Verzeihung, noch dazu sehr unregelmäßig geführte) Fußball-Blog nicht abschließend beantworten. Wäre es jedoch so, dann ließen sich vielleicht eher parlamentarische Mehrheiten für eine Untersagung jeglicher zusätzlicher Vorteile, wie z.B. die Nutzung von VIP-Freikartenkontingenten, gesetzlich (und ohne Schlupflöcher) finden.

Fakt ist: die Vergabe von Freikarten an Politiker wurde rechtlich geprüft - und von der Rechtsprechung als legal eingestuft. Eine Institution, die entsprechende Angebote macht, macht sich nicht der Vorteilsgewährung schuldig. Ein Politiker, der entsprechende Angebote annimmt, macht sich nicht der Vorteilsnahme schuldig. Die Urteilsbegründung (Link via textilvergehen.de) mag sich jeder nach eigenem Gusto zu Gemüte führen.

“Nicht alles, was rechtens ist, ist auch richtig”, sagt Martin Delius von der Piraten-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Dieser Satz, so zutreffend er leider ist, stellt für mich das Hauptproblem dar: wo Grauzonen existieren, existieren immer auch Interessen- und Gewissenskonflikte. Wo Grauzonen existieren, bringt man Menschen in die Position “päpstlicher als der Papst” sein zu müssen - oder aber rechtlich einwandfrei, jedoch in den Augen mancher Hüter der Moral bedenklich zu handeln.

Die Piraten haben sich für das hehre Ziel entschieden, jegliche Grauzone meiden zu wollen. Edel. Oder einfach clevere PR. Die Abgeordneten der Piraten-Partei positionieren sich als moralische Instanz und heben sich damit eine Grube mit beträchtlicher Fallhöhe aus. Mal sehn wie lange es dauert, bis einer über den selbst gespannten Strick stolpert.

Feb 3, 2012
#Hertha #VIP #Piraten
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